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Das Münchner Magazin für junge Köpfe

Ein ganz besonderes Geburtstagskind

27. Juli 2008
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Von Violetta Fass

Wir schreiben das Jahr 2008, und München feiert einen sensationellen 850. Geburtstag. Hat sich erstaunlich fit gehalten für das Alter, muss man da erst einmal anerkennend feststellen. Aber wie feiert man denn den Geburtstag der Stadt, in der man wohnt?

Eigentlich kaum anders, als den von einem guten Freund, habe ich mir gedacht. Ein bisschen Erinnern an wichtige Meilensteine aus seinem Leben und gemeinsame Erlebnisse, und natürlich ordentlich feiern wie es sich gehört, mit Musik, guter Laune und möglichst vielen Leuten… Zwei ziemlich unterschiedliche Dinge also. Das eine passt eher zu einer geruhsamen und bedächtigen Familienfeier, auf der die Eltern immer wieder gerne Erinnerungen an lang vergangene Zeiten auspacken, an den Tag der Geburt zum Beispiel, und daran, wie schön es war, den ersten lauten Schrei des Erwarteten zu hören – Mittlerweile ist die Freude bei einem solchen Schrei meist doch stark zurückgegangen. Nun, die Chance, dass sich jemand noch an den allerersten Geburtstag der Stadt München erinnert, ist dann doch sehr gering – und das nicht nur wegen ihres stolzen Alters. Tatsächlich ist der genaue Tag, an dem München, noch als kleine, blutjunge Siedlung inmitten des Mittelalters in einer damals noch recht beschaulichen ländlichen Gegend entstand, nicht genau bekannt, wie das ja auch bei manch einer berühmten Persönlichkeit aus ferner Vergangenheit der Fall ist. Und wie auch da einigte man sich darauf, den Geburtstag einfach auf den Tag festzulegen, an dem der Name der Stadt zum ersten Mal in einem Schriftstück festgehalten wurde. Nur ging es hier in dem Fall nicht um einen Taufschein, sondern um ein Dokument des 14. Juli 1158, das die „Villa Munichen“ im Zusammenhang mit der von Heinrich dem Löwen erbauten Isarbrücke in der Nähe der damaligen Mönchssiedlung erwähnt.

Seit diesen jungen Jahren des noch kleinen Ortes an der damals sehr gefragten Salzstraße hat sich eine ganze Menge geändert, angefangen beim Namen und der Tatsache, dass er ja erst noch zu einer Stadt werden musste, was im Jahre 1175 geschah. Natürlich kann hier nicht alles erwähnt werden, und zudem werden sich vermutlich auch an weniger lang vergangene Geburtstage Münchens ohnehin nicht allzu viele erinnern, wahrscheinlich nicht einmal an den 849. am 14. Juli 2007 – außer vielleicht diejenigen, die zufällig selbst an diesem Tag Geburtstag haben. Trotzdem gibt es mehr als genügend andere Meilensteine in der Geschichte Münchens, die uns im Gedächtnis geblieben sind, wenn auch meist nur durch Überlieferungen oder die Spuren, die noch bis heute bestehen geblieben sind. Natürlich sind diese Überbleibsel nicht immer nur mit positiven Erinnerungen behaftet, wie etwa die Feldherrnhalle am Odeonplatz, vor der der Hitlerputsch im Jahre 1923 gescheitert ist. Nichtsdestotrotz blieb München in der Zeit der Nationalsozialisten die „Hauptstadt der Bewegung“, bis sie im Zweiten Weltkrieg durch die Luftangriffe der Alliierten zu großen Teilen zerstört wurde – die Altstadt sogar bis zu 90 Prozent. Im Zuge des Wiederaufbaus hat sich das Gesicht der Stadt schließlich ein weiteres Mal stark verändert. Noch knapp 30 Jahre später entstanden aus dem Schutt des Krieges die Berge einer der bekanntesten Parkanlagen Münchens – des Olympiaparks. Leider waren auch die dort stattfindenden Sommerspiele von 1972, die durch einen massiven Ausbau des U- und S-Bahnnetzes die Stadt um einen weiteren entscheidenden Schritt modernisiert haben, mit der Geiselnahme durch palästinensische Terroristen von tragischen Ereignissen überschattet. Viele Jahre später, wieder über drei Jahrzehnte, trug dann ein weiteres sportliches Großereignis, das uns allen noch gut in Erinnerung geblieben sein dürfte, unter anderem dazu bei, dass das ohnehin schon nicht unansehnliche Verkehrsnetz noch ausgeweitet wurde – nur der Transrapid fehlt eben weiterhin. Die Rede ist von der Fußball-WM 2006 – allerdings war hier zum Glück das einzig Tragische das vergleichsweise belanglose Ausscheiden der Deutschen im Halbfinalspiel gegen Italien.

Wie auch bei jedem anderen Geburtstagskind gibt es von diesen einmaligen Geschehnissen und Veränderungen abgesehen im Leben Münchens noch eine Menge anderer Dinge, die wir mit unserer „Weltstadt mit Herz“ verbinden und an die wir immer wieder gerne zurückdenken. Ähnlich der besinnlichen Momente bei der Feier eines geschätzten Menschen haben wir einmal Freunde und Bekannte gebeten, wichtige Dinge zu nennen, die ihnen zu der Stadt einfallen, die sie an ihr lieben gelernt haben, die für sie „München“ bedeuten. Das Ergebnis, die beschriebenen Szenen und Gegebenheiten kamen mir ein bisschen vor wie in einem alten Album mit den Lieblingsphotos zu blättern, die einfach so, an einem eigentlich ganz gewöhnlichen Tag entstanden sind. Oft genannt war zum Beispiel der Englische Garten mit dem in heißen Sommern immer wieder gerne besuchten Eisbach, um den sich eine Menge sonnenhungriger Leute tummelt, die einfach nur den Tag genießen wollen. Oder, in einer völlig gegensätzlichen Jahreszeit, die Münchner Christkindlmärkte, über die man, ausgestattet mit einer Tasse dampfendem Glühwein und einem leckeren Lebkuchen in den dick behandschuhten Fingern durch den ersten Schnee schlendert, dessen Flocken so schön in den bunten Lichtern funkeln. Oder, ganz bodenständig und wieder im krassen Kontrast zu dem Bild von eben: eine gute Mass auf der Wiesn, oft etwas eingepfercht genossen zwischen Tausenden Leuten in Feierlaune, angereist aus allen erdenklichen Fleckchen der Erde, und das nur aus einem einzigen Grund; um unsere Stadt mit dem berühmtesten Volksfest der Welt einmal hautnah zu erleben.

Gerade dieses Feiern ist es auch, was ein jeder Geburtstag, so schön und wichtig die in sich gekehrten Augenblicke der Erinnerung auch sein mögen, unbedingt nötig hat, und bei dem einer Stadt ist das natürlich nicht anders. Und wie bei bedeutenden Personen, die mit vielen unterschiedlichen Leuten Kontakt haben und dann häufig öfter feiern, werden zum Stadtgeburtstag dieses Jahr schon fast bis zum Abwinken Feste geschmissen. So richtig angefangen hat es am vergangenen Samstag, dem 14. Juni mit der Gründungsfeier in der Altstadt. Schon um 10 Uhr am Morgen waren unzählige Leute in der Gegend um Marien- und Odeonsplatz versammelt, wo man zusammen ein buntes Bühnenprogramm erwartete, das die traditionell-bayrische mit der gegenwärtigen internationalen Kultur verband. Passend war es für die Liebhaber eine ideale Gelegenheit, einmal wieder die alte Lederhose aus dem Schrank zu holen – das galt für die urbayrischen Ansässigen ebenso wie für aufgeschlossene asiatische Zugereiste. Bayrisches Brauchtum und längst vergangene Handwerke wurden vorgestellt, für die Kleinen gab es eine mittelalterliche Kinderwelt, und zahlreiche Schauspielgruppen wie etwa die des beliebten Münchner Improvisationstheaters gaben sich die Ehre. So war für jeden etwas dabei, und selbst an dem schlechten Wetter schien sich niemand zu stören – außer vielleicht jene, die wie wir mit Schirm und Fahrrad versuchten, sich nach der Arbeit einen Weg durch das Gedränge zu bahnen.

Noch bis Ende September wurden und werden in „Europas schönstem Festsommer“ verschiedene Veranstaltungen geboten, von der Stilllegung der Hauptverkehrsader am Altstadtring am 19. Juli, die zu einem „Boulevard für Bummler in der längsten Nacht des Jahres“ wurde, bis zum Isarbrückenfest vom 1. -3. August, bei dem rund um die Isar Musik, Theater und weiteres auf dem Programm stehen, tagsüber für die ganze Familie, abends zum Träumen für Nachtschwärmer.
Gelegenheiten gibt es genug, den Geburtstag der Stadt zu feiern, gleich, ob man nun einen ruhigen Sommerabend in einem der schönen Parks verbringt oder lieber dem Insider-Konzert seiner Münchner Lieblingsband beiwohnt, oder doch eher im großen Kreis mit all den anderen Anwohnern und Liebhabern der Stadt die Nacht zum Tag werden lässt. Egal für welche Feier-Art man sich entscheidet – mit was angestoßen wird, des is´ g´wiss: Mit einem guten, kühlen Tropfen des berühmten Münchner Bieres! In diesem Sinne, Prost!

Fotos: michis_0806 under cc



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2 Kommentare

  1. Crysanth:

    Wiesnbier und Sauerkraut, heit wird gfeiert, oba laut! D´Regierung wird nei, des is fein, schlechter wiad altn, kinnans net sein. Halleluja.

  2. Crysanth:

    Oh du fröhliche, oh du selige wartungsfrei Weihnachtszeit!
    Schade, daß diese Seite zur Zeit im Leerlauf dahindümpelt, es war eigentlich ganz nett hier. Aber wie heißt es doch so schön, alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei. Allen gelegenheitsvorbeischauern wünsche ich beschwingte Weihnachten und ich hoffe, daß es in München nicht nur noch Greise gibt!

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